Während Anfang Oktober lediglich wenige COVID-PatientInnen in Tulln behandelt wurden, so änderte sich dies Ende Oktober sehr rasch. Innerhalb weniger Tage war die gesamte Station mit bis zu 31 PatientInnen aus dem Umkreis, sowie aus anderen Krankenhäusern, gefüllt. Bis Mitte Mai 2021 sollte sich die Gesamtzahl derer, die an dieser Station Interne 1 mit COVID behandelt wurden, auf insgesamt 370 erhöhen.
Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung hinsichtlich neuer Routinen (An- und Ablegen der Schutzausrüstung, Abläufe bei der Pflege und der Visiten unter Einhaltung der Hygienestandards, telefonische Kommunikation mit den Angehörigen aufgrund des Besuchsverbotes etc.) konnte trotz des deutlich erhöhten Arbeitsaufwandes durch die enge und patientenzentrierte Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen (medizinisches Personal, Physio- und PsychotherapeutInnen, RTAs, Reinigungskräfte etc.) durchgehend eine umfassende Versorgung der PatientInnen gewährleistet werden.
Der Verlauf der COVID-Erkrankung gestaltete sich sehr individuell und war selten vorausschaubar. Dabei ging die subjektive Atemnot oftmals nicht mit der tatsächlichen Sauerstoffversorgung einher. Immer wieder mussten PatientInnen trotz subjektiv milder Symptomatik bei im Blut nachgewiesenem ausgeprägtem Sauerstoffmangel mit einem hohen Sauerstoffbedarf auf die COVID-Normalstation oder in einzelnen Fällen direkt auf die Intensivstation aufgenommen werden.
Aus diesem Grund wurden schon von Beginn an unabhängig von Alter oder Schwere der Erkrankung sämtliche Vitalparameter (Sauerstoffsättigung, Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Temperatur) bei allen PatientInnen in kurzen Intervallen mehrmals täglich routinemäßig gemessen und digital erfasst, um auf kleine Veränderungen rasch reagieren zu können.
Je nach Resultaten in den Blutuntersuchungen, Ausprägung der Lungenentzündung in der Bildgebung, Notwendigkeit der Sauerstoffgabe sowie zeitlichem Verlauf der Erkrankung wurden die PatientInnen individuell stets nach neuestem Wissensstand medikamentös versorgt und erhielten symptomorientiert unterstützend Inhalations-, hustenstillende sowie fiebersenkende Therapien. Mit Hilfe der selbstständigen Bauchlagerung sowie Atemtherapien konnte damit in den meisten Fällen eine Stabilisierung der Situation erzielt werden.
In einigen Fällen erschöpften sich die PatientInnen jedoch trotz Ausnutzung aller genannten Therapieoptionen aufgrund der ausgeprägten COVID-assoziierten Lungenentzündungen und/oder anderer Grunderkrankungen (COPD, Krebserkrankungen, Adipositas etc.) in ihrer Atemtätigkeit sehr rasch, sodass sie schnell deutlich mehr Sauerstoff benötigten. In diesen Fällen gab es im UK Tulln glücklicherweise bei anhaltender Sauerstoffunterversorgung unter der konventionellen Sauerstofftherapie mittels Nasenbrille oder –maske die Möglichkeit einer nicht-invasiven Beatmungsform, der nasalen HighFlow-Therapie. Hierbei erhalten selbst atmende PatientInnen befeuchtete, angewärmte Luft mit einem so genannten Flow, das heißt erhöhtem Druck, über eine Nasenbrille, wodurch die PatientInnen in ihrer Eigenatmung unterstützt werden. 30 von insgesamt 370 PatientInnen wurden zwischen November 2020 und Mitte Mai 2021 auf der COVID-Normalstation des UK Tulln mit einem solchen HighFlow-Gerät behandelt. Durch diese Therapieform konnten trotz ausgeprägter COVID-Pneumonien knapp 2/3 der PatientInnen mit HighFlow-Therapie auf der COVID Station stabilisiert werden und mussten nicht auf die Intensivstation verlegt werden. Lediglich 1/3 musste letztlich bei anhaltend schlechten Werten auf die Intensivstation verlegt werden, wobei davon wiederum 50% verstarben und 50% auf die Normalstation rücktransferiert werden konnten.
Ein Patient dem es ein großes Bedürfnis war, Danke zu sagen und die besondere Leistung der MitarbeiterInnen auf der Covidstation hervorzuheben, ist Gerhard Lederle. „Die Fürsorge, Herzlichkeit und Kompetenz aller MitarbeiterInnen war täglich spürbar. Wir Patienten bekamen auch regelmäßig Besuch von Psychologinnen, die sich nach unserem Wohlbefinden erkundigten und wenn nötig unterstützten. Ich fühlte mich zu jedem Zeitpunkt gut betreut, hielt mich an alle Empfehlungen (beispielsweise die regelmäßige Bauchlagerung) und war mir sicher, bald wieder gesund nach Hause kommen zu können.“
Während einige wenige PatientInnen nach wenigen Tagen entlassen werden konnten, betrug die mittlere stationäre Behandlungsdauer auf der COVID Station Interne 1 der Abteilung Innere Medizin 14,3 Tage. Dabei dehnten sich viele Verläufe aufgrund der Schwere der Erkrankung mit einer Behandlungsdauer von bis zu 60 Tagen aus.
Nach insgesamt 28 Wochen intensiver Arbeit im Isolationsbereich der COVID-Station Interne 1 mit 370 behandelten PatientInnen und circa 9,6 Millionen verbrauchten Litern Sauerstoff bleiben viele Erinnerungen und Erfahrungen, die uns als behandelndes Personal wohl noch lange begleiten werden. Erinnerungen an viele PatientInnen mit Erfolgsgeschichten, trotz teils dramatischer Verläufe genauso wie Erinnerungen an all diejenigen, die an den Folgen der COVID-Erkrankung trotz aller derzeitigen Möglichkeiten gestorben sind.
Der Primarius der Abteilung Univ.-Prof Dr. Herbert Frank betont, dass in diesen herausfordernden Zeiten das stetige Engagement und die gewissenhafte Leistung des Pflegepersonals unter der Leitung von DGKP Edeltraud Jenner, der PsychologInnen und PhysiotherapeutInnen und der Ärztinnen und Ärzte auf der COVID Station Interne 1 am Universitätsklinikum Tulln, im Besonderen OA Dr. Klaus Gattringer, Frau Ass. Dr. Helena Buchner, Frau Ass. Dr. Karoline Knopp und Frau Ass. Dr. Luise Kreil ganz außergewöhnlich war. Das gesamte Team der Internen 1 (Ärzte, Pflege, Therapeuten etc.) hat sich hier ein besonderes Lob und Auszeichnung verdient.
BILDTEXT
Oben: Ein Teil des ärztlichen und pflegerischen Teams der Internen 1:
Vlnr: Physiotherapeutin Christine Gneth, DGKP Stefanie Schleinzer, DGJP Angelika Grüneis, Stationsleitung DGKP Edeltraud Jenner, Ass. Dr. Helena Buchner, DGKP Karin Greiner, OA Dr. Klaus Gattringer und Abteilungsvorstand Primar Univ. Prof. Dr. Herbert Frank.
Unten: Gerhard Lederle bedankte sich beim Team der Covid-Station.
Medienkontakt:
Universitätsklinikum Tulln
Viola Hirschbeck
Tel.: +43 (0) 2272 / 9004 – 23013
E-Mail: presse@tulln.lknoe.at
