Frühzeitiges Erkennen von Gewalterfahrungen

TULLN – „Weiß jemand, dass Sie hier sind? Darf jemand nicht wissen, dass Sie hier sind? Fühlen Sie sich in der letzten Zeit von jemanden bedroht oder macht Ihnen jemand Angst?“ – Nach dem Vorbild skandinavischer Kliniken und basierend auf guten Erfahrungen an der Universitätsklinik Innsbruck hat es sich die Opferschutzgruppe des Universitätsklinikums Tulln zum Ziel gesetzt, diese drei Fragen im Rahmen der Patient:innenaufnahme im nächsten Jahr zu implementieren.

Werden die zweite und/oder dritte Frage mit ja beantwortet, kann dies ein Hinweis auf Gewalterfahrungen in der Vergangenheit sein. Eine aktuelle Befragung der Statistik Austria zeigt, dass jede dritte Frau in Österreich ab dem Alter von 15 Jahren bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt hat. Fast jede sechste Frau war bereits von Androhungen körperlicher Gewalt betroffen. Viele Frauen erleben gleichzeitig unterschiedliche Gewaltformen – von Angriffen bis zu Stalking. Androhungen körperlicher Gewalt musste fast eine halbe Million Österreicherinnen (15,25 Prozent) erleben. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen oft die erste Anlaufstelle für Gewaltbetroffene. Somit kann das frühzeitige Erkennen von Gewalterfahrungen durch das Einsetzen von Screeningfragen möglicherweise ein erster Schritt aus einer gewaltvollen Beziehung sein. Mitarbeiter:innen aller Abteilungen des Klinikums werden in den nächsten Monaten in interdisziplinären Fortbildungen geschult - das Motto dabei ist „hinschauen statt wegschauen – wir sind für Sie/dich da“.

 

BILDTEXT

v.l.n.r. Die Mitglieder der Opferschutzgruppe Tulln: OA Dr. Lars Schabel, Wolfgang Roth, Mag. (FH) Marlies Tegel, Mag. Viktoria Wentseis, DGKP Gloria Fuchs, DGKP Gabriele Bichler.

 

Medienkontakt:

Universitätsklinikum Tulln
Viola Hirschbeck
Tel.: +43 (0) 2272 / 9004 – 23013
E-Mail: presse@tulln.lknoe.at