Hinschauen statt wegschauen – Gemeinsam gegen Gewalt

ST. PÖLTEN / TULLN – Unter dem Motto „Orange the World – Gemeinsam gegen Gewalt“ wird weltweit von 25. November bis 10. Dezember auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Auch die NÖ Landesgesundheitsagentur setzt sichtbare Zeichen, indem mehrere NÖ Landes- und Universitätskliniken orange beleuchtet werden – unter anderem Tulln und Amstetten – und MitarbeiterInnen in den Kliniken sowie Pflege-, Betreuungs- und Förderzentren orangefarbene FFP2-Masken tragen.

Eine von fünf Frauen in Österreich ist zumindest einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Auch Kinder, ältere Menschen, Männer oder Menschen mit Behinderung trifft Gewalt. „Es gibt sicher eine hohe Dunkelziffer an Frauen, die häusliche Gewalt nicht meldeten bzw. nicht melden konnten“, ist sich Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sicher. Daher wird auch die NÖ Landesgesundheitsagentur im Rahmen der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ auf dieses wichtige Thema hinweisen.

 

Häufig fehlt den Betroffenen der Mut, sich mit ihrer Lage aktiv an die Polizei oder an eine andere Institution zu wenden. „Wir haben in Niederösterreich zwar ein gut ausgebautes Netzwerk an Einrichtungen wie Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und Gewaltschutzzenten sowie auch das NÖ Frauentelefon. Hier wird den Betroffenen anonym, kostenfrei und unkompliziert weitergeholfen. Dennoch ist der erste Schritt, dass Frauen das Problem benennen und darüber sprechen“, erklärt Teschl-Hofmeister.

 

 

 

Fast jede 5. Frau wendet sich nach erlittener Gewalt an Einrichtungen des Gesundheitssystems. Kliniken sind damit wichtige Partner bei der Verhinderung und Prävention von Gewalt gegen Frauen. Daher gibt es in den NÖ Landeskliniken Opferschutzgruppen, deren Aufgabe es ist, MitarbeiterInnen aller Professionen dafür zu sensibilisieren, genau hinzuschauen, nachzufragen und Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich in einem sicheren Umfeld anzuvertrauen, um unter Umständen Schlimmeres zu verhindern. Eine landesweite Arbeitsgruppe der NÖ LGA mit regions- und berufsübergreifender Expertise arbeitet zudem an unterstützenden Angeboten und Maßnahmen, die in weiterer Folge bei einer Opferschutzkonferenz präsentiert werden sollen.

 

Auch Viktoria Wentseis, Klinische Psychologin und Leiterin der Opferschutzgruppe im Universitätsklinikum Tulln, weiß, dass das Krankenhaus oft erste Anlaufstelle für Betroffene ist und es darum besonders wichtig ist, dass das Klinikum mit externen Partnern wie der Polizei sowie Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und Gewaltschutzzentren vernetzt ist. „So können wir kompetente Hilfe anbieten und Betroffene informieren, an wen sie sich wenden können“, erklärt Viktoria Wentseis.

 

Um trotz der eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der Covid-19 Pandemie dennoch ein sichtbares Zeichen zu setzen und die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ zu unterstützen, stehen den MitarbeiterInnen in den NÖ Kliniken sowie in den Pflege-, Betreuungs- und Förderzentren, orangefarbene FFP2-Masken zur Verfügung, die sie in diesem Zeitraum tragen können. Zusätzlich werden viele Kliniken orange beleuchtet sein. „Durch das Tragen von orangen Masken und das Beleuchten der Helikoptertürme hier im UK Tulln wollen wir uns gemeinsam gegen Gewalt einsetzen“, so Teschl-Hofmeister, die sich bei allen teilnehmenden Standorten und Partnern bedankt. In Tulln griff auch die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) das Thema Gewalt auf und setzte Schwerpunkte, wie Direktorin Mag. Margit Längauer erklärte „Die SchülerInnen befassten sich intensiv mit dem Thema und hatten tolle Ideen. So wurden beispielsweise orange Freundschaftsarmbänder geknüpft, Plakate gestaltet und die SchülerInnen werden am Tag der Menschenrechte (10.12.) orange Kleidung tragen.“

In naher Zukunft ist eine Online-Stunde geplant, in welcher Viktoria Wentseis den SchülerInnen von der Arbeit im Klinikum berichten wird.

 

 

Ein zusätzlicher Dank gilt auch dem Künstler Gottfried Helnwein, der dem Universitätsklinikum Tulln für die Gestaltung der Helikoptertürme ein Bild zur Verfügung stellte. Er setzt sich seit vielen Jahren für Frauenrechte ein und ist auch im Opferschutz aktiv tätig. Er möchte nicht nur auf die Situation in Österreich hinweisen, sondern weltweit. „Die Menschenrechtslage der Frauen und Mädchen ist in Teilen der Welt katastrophal, wie beispielsweise die Lage in Afghanistan zeigt. Dort haben Millionen Frauen und Mädchen keine Rechte auf Schule und Ausbildung, und tatsächlich überhaupt keine Rechte mehr“, zeigt Helnwein auf.

 

BILDTEXT

v.l.: Kaufmännischer Direktor Universitätsklinikum Tulln Dipl. KH-BW Andreas Mikl, Pflegedirektorin Universitätsklinikum Tulln DGKP Eva Kainz, MSc, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Klinische Psychologin und Leiterin der Opferschutzgruppe Universitätsklinikum Tulln Mag. Viktoria Wentseis

Fotocredit: Robert Herbst

 

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Universitätsklinikum Tulln
Viola Hirschbeck
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