Bei einer Laparoskopie („Schlüssellochchirurgie“) werden die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mithilfe einer speziellen Kamera (Laparoskop) sichtbar gemacht. Über einen kleinen Hautschnitt werden dieses sogenannte Endoskop und eine Führungshilfe in die Bauchhöhle eingebracht. Ein hochauflösendes digitales Videokamerasystem überträgt dann für die Chirurg:innen die optische Information in Echtzeit auf Monitore. Die Tatsache, dass man spiegelbildlich arbeitet, begründet die Notwendigkeit für Training und Ausbildung, welche nun in einer modernen Form seit Beginn des Jahres im Ausbildungszentrum Tulln angeboten werden. Mithilfe von Virtual-Reality-Simulatoren, welche als Mess- und Übungsinstrumente dienen und die Lerneffekte objektivieren können, werden zahlreiche Leistungsparameter erfasst und quantifiziert. „Bemerkt die Ärztin, der Arzt, dass Defizite bestehen, kann man gezielt üben. Am echten Menschen hat schon ein kleiner Fehler weitreichende Folgen.“, so Prim. Assoc. Prof. Dr. Elmar Haiden, Leiter der Klinischen Abteilung für Chirurgie am Universitätsklinikum Tulln.
„Die NÖ Landesgesundheitsagentur ist der einzige Krankenhausträger in Österreich, der ein flächendeckendes chirurgisches Training etabliert hat. Dies dient der optimalen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten und zeugt einmal mehr von Niederösterreichs Spitzenmedizin“, so Landeshauptfrau-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf.
Primarius Haiden und sein Kollege Dr. Stefan Sattler besuchten als Jungmediziner zahlreiche Simulationskurse, etwa in München, Innsbruck, Lund und Hamburg. Nachdem der Fokus immer stärker auf minimal-invasiven Operationen liegt, begannen sie im Jahr 2009 selbst Kurse anzubieten. Damals wurde noch an Schweineorganen trainiert. „Das war nicht sehr hygienisch und jedes Organ konnte nur einmal verwendet werden“, erinnert sich Primarius Haiden. Seit zehn Jahren gibt es stattdessen Silikonmodelle, die der Beschaffenheit der menschlichen Haut ähneln. Die beiden Chirurgen haben schließlich ein neues Kurskonzept auf die Beine gestellt, welches sie im Ausbildungszentrum am Universitätsklinikum Tulln anbieten. Bei den zwei- bzw. dreitägigen Kursen werden alle operativen Fächer angesprochen (Chirurgie, Gynäkologie, Thoraxchirurgie, Urologie). Zusätzlich gibt es einen fünftägigen Kurs, der für chirurgische Assistenzärzt:innen in Niederösterreich verpflichtend ist. In Österreich gibt es nichts Vergleichbares.
Neben dem Training auf den Virtual-Reality-Simulatoren werden die Fertigkeiten der Jungmediziner:innen auch an der Lübecker Toolbox entwickelt und perfektioniert. Der spielerische Charakter des Trainingscurriculums weckt den Ehrgeiz und macht Spaß. Die Kursteilnehmer:innen trainieren die sensomotorischen Fähigkeiten, laparoskopische Grundtechniken und perfektionieren laparoskopische Nahttechniken. Auch werden Techniken der offenen Chirurgie trainiert. Anschließend wird das erreichte Niveau mit einer praktischen Prüfung zertifiziert. Seit 2012 haben Primarius Haiden und Dr. Sattler etwa tausend Stunden Kurs gehalten. „Bei strukturiertem Training steigt die Lernkurve rasch an. Auch Analysen bestätigen, dass Ausbildungsassistent:innen mit limitierter Erfahrung nach einem Training kürzere Operationszeiten und geringere Fehlerraten erzielen.“ Das Training wirkt – und ist ein wertvoller Beitrag zu mehr Patientensicherheit.
BILDTEXT
1: Prim. Assoc. Prof. Dr. Elmar Haiden erklärt die Übungsschritte.
2: Greifübungen am Simulator.
3: Nahttechnikübungen mit Dr. Stefan Sattler, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Tulln.
4: An der Lübecker Toolbox werden unter anderem Nahttechniken trainiert (hier ein intrakorporaler Knoten).
Fotocredit: Philipp Monihart
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