Orange the World: Opferschutz stärken – neue Herausforderungen im Fokus

TULLN – Mit der internationalen Kampagne Orange the World wird jährlich von 25. November bis 10. Dezember auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Das Universitätsklinikum Tulln nutzt diesen Zeitraum erneut, um auf die Bedeutung eines umfassenden Opferschutzes hinzuweisen – und auf neue Herausforderungen, die angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die etablierten Abläufe bei akuter Gewalt – von sexualisierten bis zu körperlichen Übergriffen – funktionieren am Universitätsklinikum Tulln seit Jahren zuverlässig. Standardisierte Prozesse, multidisziplinäre Zusammenarbeit sowie eine enge Kooperation mit Polizei, Gewaltschutzzentren und regionalen Einrichtungen gewährleisten, dass Betroffene bestmöglich versorgt werden.

Parallel dazu rückt ein Bereich stärker in den Fokus, in dem der Handlungsbedarf wächst: Gewalt an älteren und pflegebedürftigen Menschen. Gewalt im höheren Lebensalter bleibt häufig im Verborgenen – sei es körperliche, psychische, finanzielle oder strukturelle Gewalt. Scham, Abhängigkeit und ein Mangel an sozialen Ressourcen erschweren es Betroffenen, Hilfe zu suchen. Die österreichische Bevölkerung wird älter und der Pflegebedarf steigt. Pflegende Angehörige – meist Frauen – übernehmen immer mehr Verantwortung und sind oft mehrfach belastet: Beruf, Familie, Care-Arbeit und emotionale Verpflichtungen führen zu schleichender Überforderung, die unbeabsichtigt in Vernachlässigung oder Gewalt münden kann.

„Wir sehen eine wachsende Zahl älterer Patientinnen und Patienten, bei denen Hinweise auf Gewalt oder Überlastung im häuslichen Umfeld sichtbar werden. Das bedeutet nicht, dass Angehörige ‚schuld‘ wären – vielmehr zeigt es, wie dringend Unterstützung nötig ist“, betont die Klinische Psychologie des Universitätsklinikums Tulln. Um die Versorgung älterer Gewaltopfer nachhaltig zu stärken, braucht es spezialisierte Maßnahmen, wie eine Sensibilisierung medizinischer und pflegerischer Berufsgruppen, niedrigschwellige Beratungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, eine noch stärkere regionale Vernetzung mit mobilen Diensten, Sozialarbeit und Gemeinden oder den Ausbau von Screening-Instrumenten im Krankenhaus.

„Die Abläufe bei akuter Gewalt im Kindes- und Erwachsenenalter sind gut etabliert und jetzt gilt es im Bereich älterer Gewaltopfer das Bewusstsein zu stärken und auch hier die Abläufe zu optimieren. Angesichts der demografischen Entwicklung müssen Gewaltprävention und Opferschutz ganz oben auf die Agenda“, so die Mitglieder der Opferschutzgruppe. 

Im Rahmen von Orange the World setzt das Universitätsklinikum Tulln erneut ein sichtbares Zeichen: durch Informationsmaterialien, Sensibilisierungsinitiativen, eine orange Beleuchtung des Klinikums sowie das Tragen orangefarbener Buttons durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gesamten Aktionszeitraum. „Gewalt hört nicht im höheren Lebensalter auf. Auch ältere und pflegebedürftige Menschen brauchen unseren besonderen Schutz“, betont das Klinikum. „Wenn wir hinschauen, Überlastung ernst nehmen und sowohl Betroffene als auch Angehörige unterstützen, können wir viel erreichen.“

 

Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige:

• Frauenhelpline: 0800 222 555 (24/7, kostenlos, anonym)

• Gewaltschutzzentrum Niederösterreich: 02742 319 66

• Notruf 133 bei akuter Gefahr

• Pflege-Koordinationsstelle der Stadtgemeinde Tulln: 0664 2411 540

Mit seiner Teilnahme an Orange the World setzt das Universitätsklinikum Tulln ein klares Zeichen für Betroffene, Angehörige und für eine Gesellschaft, in der Gewalt keinen Platz hat.

 

 

BILDTEXT

Die orange Beleuchtung des Universitätsklinikums Tulln macht im Aktionszeitraum sichtbar auf Gewalt in all ihren Formen aufmerksam und setzt ein starkes Zeichen für Opferschutz und Sensibilisierung.

 

Medienkontakt:

Universitätsklinikum Tulln
Viola Hirschbeck, MSc
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