Nach über zweijähriger Vorbereitung und pandemiebedingter zweimaliger Verschiebung war die Freude bei den Initiator:innen Mag. Viktoria Wentseis, Viola Hirschbeck und OA Dr. Herbert Huscsava groß. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun endlich die Gelegenheit haben, uns über dieses wichtige Thema in einer großen Expert:innenrunde auszutauschen und ich finde es schön dabei heute in so viele Gesichter blicken zu können“. Mit diesen Worten begrüßte Mag. Viktoria Wentseis, Klinische und Gesundheitspsychologin und Leiterin der Opferschutzgruppe im Universitätsklinikum Tulln die 100 Teilnehmer:innen, die sich am 21. und 22.4. im Atrium einfanden, sowie die 60 Personen zu Hause vor dem Bildschirm – das Symposium wurde nämlich mit Unterstützung des Mediateams des niederösterreichischen und Wiener Roten Kreuzes als Hybridveranstaltung ausgetragen und erzielte so eine Reichweite bis Deutschland.
„Das Thema Gewalt hat in Niederösterreich höchste Priorität. Sowohl körperliche als auch psychische Gewalt sind ernst zu nehmende Probleme und haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Das es leider immer wieder vorkommt, dass sich Gewalt gegen pflegebedürftige Personen, die Verletzlichsten und Schutzbedürftigsten in unserer Gesellschaft richtet, können wir so nicht stehen lassen. Danke an die Verantwortlichen für die Organisation des Symposiums. Hier wird auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht und verschiedene Facetten werden beleuchtet, um sicherer im Umgang mit diesem Thema zu werden“, so Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.
Nach einer feierlichen Eröffnung durch Landesrätin Mag. Christiane Teschl-Hofmeister in Vertretung der Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner wurde dem Thema Gewalt an Pflegebedürftigen stellvertretend für die Klinikleitungen beider Häuser durch Pflegedirektorin Cornelia Palmetzhofer Ausdruck verliehen. „In den beiden kommenden Tagen soll der Fokus in erster Linie auf der Gewalt AN Pflegebedürftigen durch deren Pflegende liegen - ein Thema, das angesichts von Schlagworten wie Überalterung der Gesellschaft, zunehmender Individualisierung, Pflegemangel und ähnlichem zunehmend an Brisanz gewinnt.“, so Palmetzhofer. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden vor Ort bestand aus Schüler:innen der Krankenpflegeschule Tulln, die den beiden Tagen mit viel Begeisterung und Engagement folgten und sich viel mitnehmen konnten. So gibt eine Schülerin folgendes Feedback: „Toll war zu sehen, dass so viele verschiedene Berufsgruppen anwesend waren. Da ich selber noch Schülerin bin, war ich sehr erfreut und gespannt auf alles erzählten Praxiserfahrungen. Ich bin erst 18 Jahre und möchte viel lernen!“
Nicht nur die besondere Rolle der Pflege in allen Settings, sei es im Krankenhaus, im Pflege- und Betreuungszentrum, in der Hauskrankenpflege oder im Rettungsdienst wurde immer wieder betont. Besonders die Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit aller Berufsgruppen zeigte sich in den Vorträgen. Dabei wurden über Grundlagen zu Gewalt im Alter über die Rolle von Polizei, Rettungsdienst und Hausarzt über die Integration sexualpädagogischer Konzepte als Gewaltprävention in der Langzeitpflege und die Rolle pflegender Angehöriger viele Bereiche gestreift. Ein besonderer Fokus lag am zweiten Tag auf rechtlichen Rahmenbedingungen und dem weiten Feld der Demenz.
Neben den Vorträgen wurde als innovative Vermittlung von Wissen auf zwei Theaterstücke durch das SOG-Theater Wiener Neustadt gesetzt. Dies kam bei den Teilnehmenden aller Berufsgruppen besonders gut an und ermöglichte die interaktive Auseinandersetzung mit den Themen nicht nur auf Verstandes- sondern auch auf Gefühlsebene.
Als gemeinsames Resümee aller Beteiligten in der abschließenden Podiumsdiskussion bleibt das Bewusstsein über die Wichtigkeit des Themas, die Unverzichtbarkeit auf persönlichen Austausch und Vernetzung sowie der laute Ruf nach Aufmerksamkeit, öffentlicher Resonanz und mehr Ressourcen im sozialen Bereich. „Wir müssen lauter werden in diesen Themen, denn eines Tages sind wir diejenigen, die Pflege brauchen“, sagt eine der Schülerinnen. Bei aller Deutlichkeit dieser Äußerungen waren dennoch Zuversicht, Optimismus und Engagement sowie die Liebe zum Beruf bei allen Teilnehmenden spürbar. Die Anwesenheit und das aktive Einbringen der jungen Kolleg:innen aus der Krankenpflegeschule machte zudem Mut für die Zukunft der Pflege.
Weitere Informationen zum Symposium und zum Thema Opferschutz und Gewaltprävention finden sich unter www.hinschauenstattwegschauen.at.
BILDTEXTE
(1) v.l.n.r. Ursula Kamlander, Peter Lechner (Ärztlicher Direktor UK Tulln), Sonja Fiegl (Bezirkspolizeikommandantin Tulln), Cornelia Palmetzhofer (Pflegedirektorin Tulln & Klbg), Herbert Huscsava (Ärztlicher Direktor LK Klosterneuburg), LR Christiane Teschl-Hofmeister, Viktoria Wentseis (Opferschutzgruppenbeauftragte, Klinische Psychologin), Viola Hirschbeck (Presse- & Öffentlichkeitsarbeit UK Tulln), Andreas Mikl (Kaufmännischer Direktor UK Tulln), Regina Maria Berger (Direktorin PBZ Tulln) – Fotocredit NLK Burchhart
(2) Landesrätin Mag. Christiane Teschl-Hofmeister in Vertretung der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner
(3) Bezirkspolizeikommandantin Sonja Fiegl
(4) Podiumsdiskussion, v.l.n.r.: Petra Schmidt (Leitung Bereich Gesundheit und Soziale Dienste österr. Rotes Kreuz), Doris Bugl, BSc (NÖ Pflege- & Patientenanwaltschaft), Hanna Fiedler (Interessengemeinschaft Pflegende Angehörige), Dr. Michael Halmich LL.M. (Jurist mit Schwerpunkt Medizinrecht), Drin. Karin Rowhani-Wimmer (Ethikberaterin im Gesundheitswesen), Mag. (FH) Marlies Tegel (Klinische Sozialarbeiterin UK Tulln), Mag. Andreas Riemer (Bezirkshauptmann Tulln), OA Dr. Herbert Huscsava (Ärztlicher Direktor LK Klosterneuburg, Unfallchirurg)
(5) Organisatorinnen Viola Hirschbeck und Mag. Viktoria Wentseis
(6) Fachvortrag von Petra Schmidt (Leitung Bereich Gesundheit und Soziale Dienste österr. Rotes Kreuz)
(7) Das SOG-Theater beleuchtete alltägliche Situationen im Pflegesetting kritisch
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